Der Augenroller ist eines der bekanntesten Wahrzeichen in der Koblenzer Altstadt. Man findet ihn am Portal des Alten Kaufhauses, erbaut 1419 als Handelshaus und über 200 Jahre auch Rathaus der Stadt Koblenz.

Die Legenden um diese Figur sind vielfältig, der Ursprung ist aber belegt: Johann Lutter von Kobern wäre heute ein Koblenzer aus dem Stadtteil Moselweiß, dies war um 1500 natürlich ein kleiner Ort vor den Toren der Stadt.

Belegt ist, dass er am 14. Oktober 1536 auf dem Plan, einem Platz mitten in Koblenz, hingerichtet wurde. Vielleicht auch auf dem Florinsmarkt, in der Geschichtsschreibung steht „auf dem Plane“, das kann auch einfach die Platzfläche vor dem Gerichtsgebäude, dem Schöffenhaus, bedeuten.

Was war geschehen? Johann Lutter von Kobern gehörte dem verarmten Landadel des ausgehenden Mittelalters an, er war Vogt von Waldesch und insofern auch für seine dortigen Bauern und anderen Bewohner verantwortlich. Es scheint historisch belegt, dass er sich stets um die Belange seiner „Untertanen“ gekümmert und gesorgt hat. Das brachte ihm mehrfach Ärger mit der Führung der Stadt Koblenz ein. Für die angebliche Tätigkeit als Straßenräuber oder gar Raubritter scheint es dagegen wenig oder keine historischen Belege zu geben.

Eingangs des Jahres 1536 wurde Lutter von Kobern anscheinend von einem Düsseldorfer Kaufmann bei einem Handel irgendwie über’s Ohr gehauen. Jedenfalls wollte er diesem auflauern und die Angelegenheit regeln. Nun war es damals anders als heute, man musste mit einer gewissen zeitlichen Unsicherheit rechnen, wenn man jemanden treffen wollte. Lutter von Kobern wusste wohl, dass der Düsseldorfer Kaufmann im Ort Gillenbeuren vorbeikäme, in der Nähe des heutigen Flugplatzes Büchel in der Eifel. Also begab er sich mit einem Bekannten dorthin und wartete in der Nähe des Dorfes wohl einige Tage. Am 7. Mai 1536 schnappten die Bürger des Ortes die dort Lagernden, sozusagen als Wegelagerer, ohne dass die beiden irgend etwas getan hatten. Dummerweise haben die beiden aber erklärt, was sie eigentlich wollten: Den Düsseldorfer Kaufmann eben. Die Gillenbeurer brachten die beiden als Gefangene nach Koblenz, und das Unheil nahm seinen Lauf.

Nun muss man wissen, dass kurz vorher im Jahre 1532 das erste umfassende deutsche Strafrecht eingeführt wurde, die Constitutio Criminalis Carolina, die „peinliche Halsgerichtsordnung“ Kaiser Karl V. Der war im übrigen ab 1532 überwiegend im Ausland unterwegs, wo es einfallende Türken abzuwehren gab und ähnliches. In dieser ersten deutschen Strafgerichtsordnung gab es einen Artikel 178, der sich mit dem Versuch und dessen Strafbarkeit beschäftigt: „Item, so sich jemandt einer missethatt, mit etlichen scheinlichen wercken, die zur volnbringung der missethat dienstlich sein mögen understeht und doch an volnbringung derselben missethatt durch andere mittel wider seinen willen verhindert würde, solcher böser will, daraus etlich werck als ob steht volgen, ist peinlich zu straffen.“

Die Absicht war also damals bereits strafbar, seit kurzem konstituiert. Dumm gelaufen. Durch das ungeschickte Herausplaudern der möglicherweise geplanten Tat hat sich schlussendlich Johann Lutter von Kobern also ein Todesurteil eingehandelt, welches am 13. Oktober 1536 gesprochen und einen Tag später vollstreckt wurde.

Heute würde man sagen: Ein Justizirrtum, jedenfalls ein schauerliches Urteil ohne Beweise einer Tat.

Ein Kern der Legende besteht nun darin, was angeblich bei der Hinrichtung stattgefunden hat. Der Delinquent habe nämlich mitgeteilt, dass es der Stadt Koblenz gut gehen würde, wenn man ihm ein Denkmal setzte und ihn also entsprechend würdigte, vielleicht auch rehabilitierte. Dann hätte wohl auch noch der herumrollende Kopf die Zunge herausgestreckt. Soweit die schaurige Geschichte.

Wir werden uns dem Augenroller und seiner Geschichte noch weiter annehmen.

Hierzu werden wir auf dieser Webseite demnächst mehr an Inhalten bringen. Gerne können Sie uns Ideen mitteilen, wie auch eine mediale Präsenz des Augenrollers aussehen kann.

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